Self-Driving-Trucks

Die autonomen Lkw sind da.

Die Zukunft hat begonnen. Waren autonome Lkw vor einigen Jahren noch Zukunftsmusik, so erobern Robo-Trucks in den USA oder in Schweden Stück für Stück die Straße. Im Bergbau oder in der Landwirtschaft sind die Pilotprojekte ohnehin schon gut unterwegs. Experten zeigen sich überzeugt: in wenigen Jahren gehören die selbstfahrenden Lastkraftwagen zum Alltag. Da heißt es, die Entwicklung auch auf deutschen Straßen nicht zu verpassen.
 

In den USA wurde 2016 Geschichte geschrieben. Dort lieferte erstmals ein komplett selbstfahrender Lkw, bei dem Kameras und Sensoren den Fahrer ersetzten, seine Waren aus. Heute fahren solche Laster der Uber-Tochter Otto bereits quer durch den Bundesstaat Colorado. Selbstfahrende Trucks von Embark sind auf einer festen Route zwischen Texas und Südkalifornien im Einsatz, wenngleich nur auf den Highways. Und in Schweden setzt die Discounter-Kette Lidl auf komplett selbstfahrende Elektro-Trucks für den Verkehr zwischen den einzelnen Lagerhäusern. In dem skandinavischen Land will DB Schenker demnächst autonome Lkw des Herstellers Einride auch auf öffentlichen Straßen fahren lassen. Noch im Frühjahr soll dieses T-pod-Projekt starten.

Derweil wird Deutschland geprüft und getestet. So wurde in Norddeutschland das „Hamburg TruckPilot“-Projekt aufgelegt, eine Partnerschaft zwischen MAN Truck & Bus und der Hamburger Hafen und Logistik AG. Lkw sollen demnach selbstständig die rund 70 Kilometer von Soltau nach Altenwerder bewältigen und dort autonom die Be- und Entladung abwickeln. Umgesetzt werden soll dies bis zum Mobilitätskongress 2021. Unterdessen wird an der Zwischenlösung Platooning gearbeitet. Für den weltweit ersten Praxiseinsatz vernetzter Lkw-Kolonnen hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer den Startschuss gegeben. Auch hier ist MAN Truck & Bus beteiligt und arbeitet an dem Forschungsprojekt gemeinsam mit DB Schenker und der Hochschule Fresenius.

Bis Ende 2019 soll das Gespann auf einer Strecke von 145 Kilometer im Abstand von 15 Metern auf der Autobahn unterwegs sein statt der für gewöhnliche Lastwagen vorgeschriebenen mindestens 50 Metern Abstand.
 

Gute Gründe für selbstfahrende Lkw

Die Zeit drängt. Denn die Jahresstaulänge auf deutschen Autobahnen hat sich seit 2010 auf gut 1,5 Millionen Kilometer vervierfacht. Solche Staus verursachen Jahr für Jahr Milliardenkosten für die Volkswirtschaft. Dabei erwartet das Bundesverkehrsministerium, dass der Transport auf der Straße bis zum Jahr 2030 um etwa 40 Prozent zulegen wird. Der Ausbau der Infrastruktur wird damit nicht Schritt halten können. So liegen die Vorteile selbstfahrender Fahrzeuge, die mehr Platz schaffen, auf der Hand. Und eine solche intelligente Lösung ist zudem sicherer. Während ein menschlicher Fahrer erst nach einer Schrecksekunde reagiert, brauchen computergesteuerte Einheiten nur Millisekunden.

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie VDA, Bernhard Mattes, ist zuversichtlich, dass bis 2021 die rechtlichen Voraussetzungen für vollautonome Fahrzeuge geschaffen werden. „Die Lkw-Hersteller und die Zulieferer arbeiten in Deutschland intensiv daran, automatisierte Lkw zu entwickeln und zu testen“, sagt er. Und mahnt zugleich, größer zu denken. „Nationale Initiativen reichen nicht aus. Auch europaweit müssen die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.“
 

Es sind vor allem drei Gründe, die ein rasches Umdenken erfordern:

  • Zum ersten ist es die Frage des drohenden Verkehrsinfarktes auf deutschen Straßen und Autobahnen. Jahr für Jahr gib es bisher nur neue Stau-Rekordmeldungen.
  • Zum zweiten werden die Ansprüche der Verbraucher immer schneller wachsen. Damit explodiert die Nachfrage nach Transportleistungen.
  • Und drittens muss es eine Antwort auf den mangelnden Fahrernachwuchs geben. Denn ohne Fahrer bewegt sich nichts. Noch nicht.

Nichts mehr verpassen!

Melden Sie sich zum RIO Newsletter an oder informieren Sie sich hier über die Inhalte.